Erzbistum Köln - Video-Serie - Ständige Diakone stellen sich vor

11. Januar 2018 (pek180111-ahi)

Ein verheirateter Mann, der in einer katholischen Kirche ein Kind tauft? Ein Seelsorger, der Meditation im Gefängnis anbietet? In unserer Video-Serie „Ärmel hoch und Hände falten“ begleiten wir in loser Reihenfolge Ständige Diakone aus dem Erzbistum Köln, denn im Januar feiert die Erzdiözese das 50-jährige Jubiläum des Ständigen Diakonats.

 

Zum Videoclip: https://youtu.be/4X5hXMz9NN0

Video und Bilder zum Download: https://kommunikation.erzbistum-koeln.de/index.php/s/oFR2vGwOxFKhidP 

 

 

Ehemann, Diakon, Zauberer – Winfried Reers tauft ein Kind

Rheinbreitbach. Winfried Reers spricht mit dem kleinen Till, als könne der Junge schon jedes Wort verstehen. „Ich bezeichne dich mit dem Kreuz“, erklärt er dem Baby und zeichnet mit dem Daumen ein Kreuz auf seine Stirn. Der 69-Jährige trägt Talar, Rochett und Stola – Kleidungsstücke in der katholischen Kirche. So tauft er Till in St. Maria Magdalena in Rheinbreitbach. „Nach mir werden auch deine Eltern, deine Paten und meine Ehefrau Monika als Vertreterin der Kirchengemeinde dieses Symbol Jesu auf deine Stirn machen“, fährt er fort.

 

Seit 47 Jahren ist Winfried Reers verheiratet, seit 36 Jahren arbeitet er als Ständiger Diakon. Seitdem tauft er Kinder, beerdigt Verstorbene und traut Paare. Diese Aufgaben und noch weitere darf er wahrnehmen, weil er zum Ständigen Diakon geweiht wurde. Was er allerdings nicht darf, ist zum Beispiel die Beichte abnehmen, oder während einer Messe Brot und Wein in Leib und Blut Christi wandeln. Diese Aufgaben sind in der katholischen Kirche den geweihten Priestern vorbehalten, in den Gemeinden also etwa dem Pfarrer oder dem Kaplan.

 

„Meine Frau hat damals ihr Ja-Wort bei Kardinal Höffner gegeben“

„Meine Frau hat damals ihr Ja-Wort bei Kardinal Höffner gegeben“, erzählt Reers und meint die Zustimmung seiner Frau zu seiner Berufswahl. Denn: Will ein verheirateter Mann Ständiger Diakon werden, ist das Okay seiner Ehefrau zwingende Voraussetzung. „Sie hat mich tagtäglich unterstützt, hat Küsterdienste übernommen, war Katechetin, und, und, und“, betont er. „Diakon sein ohne meine Familie und an erster Stelle ohne meine Frau, hätte ich niemals so erlebt und durchgestanden.“

 

Zaubernder Diakon

Sonntagnachmittag, Rheinbreitbach, eine ruhige Wohnsiedlung. Der Sohn und die Tochter von Monika und Winfried Reers sind mit ihren Familien zum Kaffeetrinken gekommen, die Enkelkinder toben um den Opa. Der drückt der kleinen Lilly zwei Schaumstoffbälle in die Hand. Er selbst nimmt einen Ball und schließt die Faust zusammen. „Pusten“, sagt er zu seiner Enkelin Marie, die daneben steht. „Und ‚Simsalabim‘ sagen.“ „Simsalabim“, sagt Marie und pustet auf die Faust ihres Opas. Reers öffnet die Hand, der Ball ist verschwunden, dafür hat Lilli jetzt drei Bälle. Die Mädchen hüpfen begeistert auf und ab. „Toll!“, applaudieren die Eltern.

 

Mit solchen Tricks tritt Reers auch öffentlich auf. Den „Zaubernden Diakon“ – den Namen hat er schützen lassen – kann man zum Beispiel für Pfarrfeste oder Familienfeiern buchen. Reers hat sich zum Zauberer und Bauchredner ausbilden lassen. Er ist Mitglied im „Magischen Zirkel“, eine Vereinigung von Zauberkünstlern, und hat einmal während einer Show gar den ehemaligen Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann schweben lassen.

 

So prominent muss es für den Ständigen Diakon aber gar nicht sein. „Ich habe so viele Reaktionen erlebt“, erzählt er. „Eine ältere Dame hat mir nach einer Aufführung mal gesagt, sie habe seit sieben Jahren nicht mehr gelacht. Und heute habe sie zum ersten Mal nach den schweren Zeiten der Vergangenheit wieder gelacht.“

 

Auch bei der Taufe darf gescherzt werden

Freude wolle er auch als Ständiger Diakon vermitteln. In St. Maria Magdalena darf während des Taufgottesdienstes gescherzt werden, Reers macht an den passenden Stellen augenzwinkernd Bemerkungen. Tills Eltern wirken gelöst, als er geweihtes Wasser über den Kopf ihres Sohnes gießt. Ihre Gefühle kann er gut nachempfinden, denn in dieser Kirche hat Reers bereits seine Enkelin Lilly getauft. Und hier hat er seine Tochter zum Altar geführt und sie anschließend getraut. „Das ging schon an die Substanz“, sagt er. „Das war für mich als Diakon etwas ganz Besonderes.“

 

Boten einer neuen Zeit

Der Dienst des Diakons gliedert sich in Caritas, Liturgie und Verkündigung. 1968 führte das Erzbistum Köln als erste Diözese weltweit den Beruf des Ständigen Diakons ein: Damals wurden am 28. April die ersten fünf verheirateten Männer im Kölner Dom geweiht. Ihnen sind allein im Erzbistum Köln bislang mehr als 400 weitere gefolgt.

 

Am 17. Januar feiert das Erzbistum Köln das 50-jährige Jubiläum mit einem Pontifikalamt im Kölner Dom mit anschließendem Festakt sowie einer begleitenden Ausstellung im Maternushaus. Mehr Informationen gibt es unter: www.diakoneninstitut.de